Sprachsünden (1) – Der verschwindende Bindestrich

admin Alle Kategorien, Sprache

Kürzlich brachte der Kölner Stadtanzeiger auf der Titelseite eine Glosse über das Verschwinden des Bindestrichs. Erinnert sich noch jemand, wann die letzte Stufe der Rechtschreibreform gestartet wurde? Das ist schon ewig lange her – genau 7 Jahre! Angesichts der ungeheuren Zumutung für moderne Menschen, ein zusammengesetztes Wort wie „Morgenstunde“ entziffern zu müssen, wurde es erlaubt, solche Begriffe zu trennen und mit einem Bindestrich zu versehen, also „Morgen-Stunde“ zu schreiben.

Zugegeben, ein Wortmonster wie „Telekommunikationsüberwachungsverordnung“ braucht kein Mensch (und es geht auch noch länger!), was aber seit dem „verbindestricht“ wurde, war bald nicht mehr mit anzusehen und eigentlich nur in einer Webadresse zu akzeptieren. Also ist es doch eigentlich gut, wenn der Bindestrich wieder verschwindet, oder?

Ja, nur dass da jetzt der leere Wortzwischenraum bleibt: Also heißt es jetzt plötzlich „Morgen Stunde“! Na guten Morgen! Und wer ist dafür verantwortlich? Wer macht so einen Blödsinn?

Wir Werbetexter machen so etwas, weil wir kreativ sein müssen, weil wir uns abheben müssen vom Normalen – oder weil wir das zumindest glauben. Gut, auf die Wirkung des „Verfremdungseffekts“ hat schon Brecht gesetzt, aber Verfremdung heißt ja nicht Verdummung. Und das ist es, was da mit Millionen Werbe-Euro im Rücken mit den Menschen gemacht wird.

Und das Schlimme daran ist: Die Menschen glauben das sei richtig, und wenn es erst in der Bild Zeitung steht, dann kapituliert auch bald der Duden. Ach ja, die Variante „BildZeitung“ gibt es inzwischen auch, aber das ist dann eine „Wortmarke“, und dagegen kann niemand etwas sagen.