Freitag, der 13.

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Heute ist Freitag, der 13. Ein Tag, der viele Gefahren birgt, wie einst Reinhard May in seinem Lied geschildert hat. Gefährlich ist vor allem der sprachliche Umgang mit ihm, genauer seine Zuordnung im Dickicht der Fälle. Zugegeben, wir haben nur vier davon, also sollte es doch nicht so schwer sein, auch Freitag, den 13. zu deklinieren? Wie bei Morgensterns berühmtem Werwolf, dessen Fälle des Dorfschulmeisters Geist in einem Vierzeiler aufzählen konnte, fangen wir an: der 13., des 13., dem 13. (Dativ, wie man’s nennt.), den 13. Damit hat’s ein End.

So weit, so einfach! Schwierig wird es erst, wenn man diese Fälle in die Praxis umsetzen soll. Da sträuben sich nämlich bei vielen die Felle. Der Nominativ mag ja noch gehen: Freitag, der 13. – OK, aber das ist was für Reinhard May und Kollegen, nicht für den Normalschreiber. Den Genitiv wüsste dagegen niemand mehr einzusetzen (Mir fällt im Moment auch kein vernünftiges Beispiel ein.). Der Dativ jedoch wird geradezu gehasst und mit Wut durch den Akkusativ ersetzt! Ich habe mir einmal erlaubt, das in einem Kundentext zu korrigieren und aus „am Freitag, den 13.“ richtigerweise „dem 13.“ gemacht. Das hatte einen wütenden Protest und die ultimative Aufforderung zur Folge, das wieder zu ändern. Total verunsichert habe ich darauf hin den Duden aufgeschlagen, und was musste ich sehen: Man darf das heute, weil es sich so eingebürgert hat.

Irgendwann wird es wohl wieder sein wie vor der Einführung der Rechtschreibregeln. Dann schreibt jeder, wie er lustig ist, wenn er überhaupt noch schreiben kann. Übrigens: Reinhard Mays Kalamitäten passierten, wie er schließlich merkte, an einem Donnerstag, dem 12., woraus wir erkennen können, dass jeder Tag seine Tücken hat.