Hier: Der Specht – Psychologie und Denkmuster für Werber!

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Mein kleiner Beitrag widmet sich dem Specht, einer wirklich bewundernswerten Spezies! Bei all ihrem Gehämmere gegen marode Baumrinden behalten Bunt-, Grün- und was weiß ich, welche Spechtarten auch immer, stets einen klaren Kopf. Und das, obwohl das Werkzeug ihres Gehämmeres, ihr Schnabel, die unmittelbare Verlängerung ihres Kopfes darstellt. Das alleine sollte schon Vorbild genug für eine Vielzahl unserer Kolleginnen und Kollegen sein und zeigen wie man „seinen Schnabel“ auch unbeschadet einsetzen kann.

Zurück zum Specht: Er beweist bei seinen trommelnden Aktivität ein unglaublich logisches Denkvermögen und stellt täglich erneut seine Cleverness unter Beweis. Unser gefiederter Freund verdient wirklich unsere Hochachtung! Gehen wir ins Detail: Das Hauptproblem im Leben des Spechtes ist psychologischer Natur. Wenn er existieren will, muss er die Mentalität der Käfer, Maden und Larven kennen, die er frisst. Er muss ihre Art des Denkens studieren und antizipieren, die Schnelligkeit ihres Reaktionsvermögens richtig einschätzen, sonst kriegt er sie nämlich nicht und beendet sein Tageswerk mit knurrendem Magen. Selbiges soll übrigens nicht nur für Spechte ein Problem sein!

Wie geht der Specht, unser trommelndes und hämmerndes Vorbild, also vor? Angenommen, er sitzt an der Südseite eines Baumstammes und trommelt in der ihm eigenen Art – natürlich weithin hörbar – gegen die Rinde. Die Kerbtiere wissen instinktiv, was die Uhr geschlagen hat, ergreifen ihr Luftschutzgepäck und rennen in den gebohrten Gängen so weit und schnell wie möglich gen Baumnordseite, um dort die Entwarnung abzuwarten.

Das hat der Werber, sorry, der Specht natürlich, einkalkuliert. Er schätzt im Geiste ab, wann auch die asthmatischste Made auf der anderen Seite angekommen sein muss, läuft dann behände um den Stamm herum und holt mit seiner langen, klebrigen Zunge seine letztmals überraschte Zielgruppe aus ihrem Bunker. Das wiederholt sich eine ganze Zeit. Aber allmählich durchschaut auch die einfältigste Made den Trick und fällt nicht mehr darauf herein. Käfer, Maden und Larven verharren dann einfach auf der Seite, an der geklopft wird. Sie bleiben fett und untätig sitzen und denken: „Renn‘ mal einfach rum auf die andere Seite, du Specht! Die Masche läuft bei uns nicht mehr. Lass Dir mal was Neues einfallen!“ Und genau hier liegt die große Kunst des Trommlers: Diesen kritischen Zeitpunkt muss der Specht nämlich voraussehen und sich rechtzeitig darauf einstellen, sonst wird er nicht mehr satt. Sie wissen schon, das Problem mit dem knurrenden Magen …

Er verfeinert also seine Strategie und passt sie den neuen Gewohnheiten seiner Zielgruppen an. Schlau – denn der Specht bleibt jetzt ebenfalls einfach da sitzen, wo er klopft und sahnt wieder richtig ab. Bis die Insekten und Larven auch diese Methode begriffen haben, soweit sie noch leben sollten. Dann fangen sie nämlich wieder an zu rennen, aber nun nicht mehr ganz um den Baum herum. Nicht unclever machen sie auf halber Strecke Halt, weil auch sie ihrerseits die Gedankengänge des Spechtes jetzt durchschaut haben. Die ganz Schlauen verduften sogar nach oben oder unten …

Dieser Kampf mit geistigen Waffen läuft unaufhörlich weiter, bis er ein Niveau erreicht hat, das dem Specht keine gesicherte Lebensgrundlage mehr bietet. Dann muss er sich ein neues Revier suchen, in dem das Ungeziefer noch dumm und denkfaul ist. Hier kann er erneut mit seinem Getrommel langanhaltende Erfolge erzielen, bis die Geschichte von vorne anfängt: So sorgt Mutter Natur mit Hämmern und Trommeln für die geistige Fortbildung ihrer Geschöpfe!

(inspiriert von seinem „Specht“ und Lehrmeister, Jochen)