Was ist das eigentlich ein Hashtag?

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Herkunft und Bedeutung

Das unscheinbare Doppelkreuz, auch manchmal fälschlich als Raute bezeichnet, dämmert auf unserer Tastatur meist unbenutzt dahin. Niemand weiß wirklich, wo es herkommt, noch was es bedeutet.
Die plausibelste Herkunftserklärung weist allerdings Richtung Rom und auf die Gewichtseinheit des Pfundes. Der lateinische Begriff libra pondo – libra die Waage und pondo von pendere für wiegen – war die noch bis ins ausgehende Mittelalter übliche Bezeichnung für die Gewichtseinheit „Pfund“. Im 14. Jahrhundert wurde dafür die Abkürzung „lb“ eingeführt, wobei man mit einem Strich die beiden Buchstabenhälse verband. Das in Eile notierte „lb“ und unvorsichtiges Verschmieren von Tinte ließen das heute Doppelkreuz entstehen. So weit die Theorie.
Im nordamerikanischen Raum benutzt man das Zeichen heute noch in dieser Bedeutung, wenn es nämlich hinter einer Zahl steht. Doch das ist längst nicht alles: So wird dieses Zeichen, je nach Kontext, als Indikation für Schachmatt wie auch als musikalisches Vorzeichen gebraucht und findet ebenso Verwendung in verschiedenen Programmiersprachen. In der Medizin dient das schräge Doppelkreuz zur Kennzeichnung von Knochenbrüchen und in machen Interviews taucht das Doppelkreuz als Ersatzzeichen für Schimpfwörter oder Vulgärsprache auf. Auch Korrekturleser verwenden das Doppelkreuz, um das Fehlen eines Leerzeichens zu kennzeichnen, wohingegen drei Doppelkreuze in Folge das Ende eines Presseberichts signalisieren. Doch vor allem die Adaptierung des Doppelkreuzes vom Medienkonzern Twitter als Hashtag hat diesem Zeichen weltweite Verbreitung verschafft.

#Twitter

Der Mircoblogging-Dienst Twitter betreibt eine Medienplatform, auf der seine Nutzer Textnachrichten von maximal 140 Zeichen, Bildern und mittlerweile auch Kurzvideos veröffentlichen können. Diese Kurznachrichten, allgemein als Tweets bekannt, spiegeln die aktuelle Gefühls- und Gedankenwelt der Nutzer wieder. Die Nachrichten eines individuellen Nutzers können von anderen Nutzern abonniert und auch direkt mittels des „@“-Symbols an bestimmte Nutzer adressiert werden. Um Nachrichten mehrerer verschiedener Nutzer auf der Basis von gemeinsamen Themen zu gruppieren, nutzt Twitter das Hashtag. Dieses setzt sich aus dem Doppelkreuz – englisch „hash key“ oder „hash mark“ und einem beliebigen Begriff, dem „Tag“, zusammen. Letzterer dient als Markierungs- und Gruppierungsschlagwort, mittels dessen auf der Platform Beiträge mit ähnlichem Inhalt gesucht werden können. Hashtags, also die Komposition aus Doppelkreuz und Markierungswort wie zum Beispiel #HappyNewYear, werden direkt in Tweets eingebunden.
Damit ist allerdings auch geklärt, was das „Hashtag“ nicht ist: Es ist nicht die Bezeichnung für das Doppelkreuz, wie sich das im deutschen Wortgebrauch eingebürgert hat.
Im Jahre 2007 schlug der Blogger Chris Messina erstmalig die Nutzung des Hashtag als Such- und Hervorhebungsphrase für Twitter-Nachrichten vor. Seitdem hat sich dieser Gebrauch bei Twitter fest etabliert und ist mittlerweile nicht nur auf Tweets beschränkt. Andere Medienplatformen wie Facebook und Instagram haben Hashtags als Such- und Gruppierungsphrase übernommen. Somit werden inzwischen allerlei Kurznachrichten, Fotos und Videos regelmäßig „ge(hash)tagged“, um Emotionen und Ereignisse für jedermann auffindbar zu machen. Gezielt eingesetzt, können Hashtags somit die Sichtbarkeit und Reichweite der Nachrichten von sowohl bekannten wie auch unbekannten Herausgebern in der Medienwelt erhöhen.

Hashtags und Werbung

Die Wirkung und Reichweite einer jeweiligen Nachricht mit einem bestimmten Hashtag hängt von dem vermehrten Gebrauch des selben Hashtags durch andere Benutzer ab, was den Trend bestimmt. Daher spiegelt eine gezielte Analyse von Hashtag-Trends auch die Stimmung der Nutzer hinsichtlich bestimmter Ereignisse wieder, was sowohl soziologisch als auch werbetechnisch von Interesse sein kann. Als Teil von Werbecampagnen speziell entwickelte Hashtags, wie z.B. #PutACanOnIt für Red Bull oder #ShareACoke für Coca Cola, können gezielt neue Medientrends starten, die Kundeninteresse, Beteiligung und Bindung schaffen. Darüber hinaus gibt es eigens Marketinghashtags wie #startup oder #sales, die besondere Aufmerksamkeit auf die zu bewerbenden Produkte ziehen sollen.

Fazit

Längst nicht jeder ist von der Nützlichkeit des Hashtags überzeugt, und so betitelt so mancher das Hashtag als den „überflüssigsten Internetbegriff unserer Zeit“. Ob sich das Hashtag also langfristig durchsetzten wird, ist ungewiss. Dennoch ist klar, dass dem Doppelkreuz auch in Zukunft noch weitere mannigfaltige Bedeutungen zugedacht werden wird.